Feierstunde zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus mit Ausstellungseröffnung
In einer Feierstunde zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wurde gestern in der St. Godehardi-Kirche Bad Nenndorf auch die Ausstellung „Hass vernichtet“ von Irmela Mensah-Schramm eröffnet.
„Diese Ausstellung dokumentiert Auswüchse rassistischen Denkens überall im öffentlichen Raum, zumeist ignoriert oder geduldet.
Es sind Botschaften voller Hass, darunter auch Morddrohungen gegen Mitmenschen, die anders aussehen, leben und denken.
Der Sinn dieser Ausstellung ist es, die Mitmenschen zu sensibilisieren, Hassschmierereien, auch die NS- Symbole zu erkennen und nicht zu dulden.“
Mit diesen Worten der Gebrauchsanweisung werden die Besucher in die Ausstellung eingeführt. Nachdem Frau Mensah-Schramm in der Vergangenheit häufig in der Kritik stand, durch ihre Ausstellung den Hassparolen Vorschub zu leisten und auch Befürchtungen geäußert wurden, dass dadurch möglicherweise zur Nachahmung angeregt werden könnte, sah sie die Notwendigkeit eines deutlichen Statements.
Während der Führung durch ihre Ausstellung schilderte sie den interessierten Teilnehmern ihre Erlebnisse. So hielten viele Menschen ihr Engagement für Sachbeschädigung und statt die Parolen oder fremdenfeindlichen Aufkleber zu kritisieren, stand die engagierte Akteurin im Mittelpunkt der Kritik. Dabei reichte die Palette der Reaktionen vom bloßen Unverständnis über Anfeindungen bis hin zu Auseinandersetzungen mit Nazis. Ans Aufhören hat Frau Mensah-Schramm dennoch niemals gedacht. „Nach dem Entfernen der Schmiererein siegt immer das gute Gefühl.“, sagt sie den Besuchern mit einem verschmitzten Lächeln.
Es gab aber nicht nur viele negative Erfahrungen, nein, auch positive Begegnungen. So hatte sie einmal in Berlin ein sehr kontroverses Gespräch mit einem jungen Neonazi. Einige Zeit später, als sie gerade wieder dabei war Naziparolen zu entfernen, wurde sie von einem jungen Mann angesprochen. Er outete sich als der ehemalige Neonazi und erklärte freudig, dass er nun nicht mehr dabei wäre. Dieses Umdenken, so erklärte er Frau Mensah-Schramm hätte mit ihrem Streitgespräch von damals zu tun. Durch ihre Argumente wurde er zum Nachdenken angeregt und hat dann den Entschluss gefasst, sich von der Szene zu trennen. Ein Erlebnis das viel Mut gemacht hat.
Die Bürgermeisterin Frau Olk beschrieb Frau Mensah-Schramm in ihrer Rede als einen sehr lebensbejahenden Menschen und genau so habe ich sie gestern während der Führung durch ihre Ausstellung auch erlebt. Ihre Lebensfreude und ihr mutiges Engagement verlangen einem nicht nur unweigerlich großen Respekt ab, darüber hinaus scheint sie die Besucher auch auf ganz liebenswerte Weise ein wenig angesteckt zu haben. Ich glaube das Bewusstsein derartige Schmiererein im öffentlichen Raum nicht unwidersprochen stehen zu lassen, wird in Zukunft noch geschärft sein. Was uns gestern bereits gefreut hat, war die Aussage von Frau Mensah-Schramm, dass sie in Bad Nenndorf bisher noch auf keine Hassparolen oder NS-Symbole gestoßen ist.
Wir danken Frau Irmela Mensah-Schramm sehr für ihr Engagement und den Besuch in Bad Nenndorf und werden weiterhin daran arbeiten, dass sie auch bei ihrem nächsten Besuch in unserem schönen Kurort nicht fündig wird!
Weitere Infos:
Bildergalerie auf facebook
Bericht in den Schaumburger Nachrichten
Webseite von Irmela Mensah-Schramm
Facebook - Seite von Irmela Mensah-Schramm
Song "Die couragierte Frau", der ihrem Engagement von Gerhard Schöne gewidmet wurde
Birgit Kramp, Bad Nenndorf ist bunt