Bündnis gegen Rechtsextremismus e.V.

Presse

Offener Brief an Dr. Rüdiger Grube


Offener Brief

Persönlich!

Deutschen Bahn AG
Dr. Rüdiger Grube
Potsdamer Platz 2
10785 Berlin

Betr.: Zeitungsartikel der SN vom 07.08.2015 ?Bahn fordert Schadenersatz von Aktivisten?

Sehr geehrter Herr Dr. Grube,

aufgrund der Urlaubszeit habe ich den Artikel in den SN erst heute gelesen. Zum Verständnis für Sie anbei der Link:

"Nach Nazi-Aufmarsch - Bahn fordert Schadensersatz von Aktivisten

Die Blockierung des Bad Nenndorfer Bahnhofs durch linke Protestler gegen den Nazi-Aufmarsch fand zwar viel Zustimmung beim bürgerlichen Lager, könnte aber für einige der Demonstranten ein Nachspiel haben."

Seit 2006 findet in Bad Nenndorf jedes Jahr der sog. ?Trauermarsch? statt. Er ist noch bis zum Jahr 2030 angemeldet. Alt- und Neonazis versuchen in unserem Ort die Geschichte des Zweiten Weltkrieges zu verdrehen. Diese Rechtsextremisten haben meiner Auffassung nach ein klares, politisches Ziel: Die Überwindung unserer Demokratie und die Neuerrichtung einer Diktatur nach dem Vorbild des Dritten Reiches.

Der Anmelder dieses Gedenkmarsches hat sich in diesem Jahr ganz klar auf den Holocaust bezogen, indem er sagte:
Eines Tages ?wird es Menschen geben, die sagen: Aber der Holocaust ist mir persönlich scheißegal.? [1]

Dieser Redner war Sven Skoda[2] (Angeklagter im Prozess gegen das Aktionsbüro-Mittelrhein)[3], ein sehr aktiver Neonazi, der für den ?Trauermarsch? in Bad Nenndorf bereits seit Jahren verantwortlich zeichnet. Er ist gut vernetzt und selber aktiv in der Partei Die Rechte[4]. In diesem Jahr ist es ihm gelungen, sowohl Mitglieder der Identitären Bewegung[5], als auch Mitglieder der Partei Der III. Weg[6] für den Aufmarsch in Bad Nenndorf zu mobilisieren.

Diese Menschen, die sich jedes Jahr zusammenfinden um auf unseren Straßen - gut getarnt und unter dem Missbrauch der Versammlungsfreiheit ? versteckt dem Dritten Reich zu huldigen, sind keine ?verirrten Spinner?, sondern, wie oben bereits geschildert, Menschen mit einem politischen Ziel. Für diese Teilnehmer ist die Ideologie des Dritten Reiches die einzig richtige Antwort auf die Herausforderungen unserer heutigen Zeit. Wir dürfen davon ausgehen, dass sie ganz speziell die Vernichtungsmaschinerie des Dritten Reiches befürworten, denn Oswald Pohl[7] wurde ebenfalls im Wincklerbad (ehemaliges Verhörzentrum der Briten[8] und Ziel des Aufmarsches der Neonazis) gefangen gehalten. Dieser ?Marsch der Ehre?, wie er von den Neonazis seit einigen Jahren genannt wird, dient offenbar nur einem Zweck: Die Machenschaften des Dritten Reiches sollen nicht nur relativiert werden, sondern die Neonazis wollen auch die Täter von damals rehabilitieren. Und wir, die Demokraten von heute, sollen durch ihren Aufmarsch davon überzeugt werden, dass sowohl Hitler als auch seine Helfer richtig gehandelt haben.

Dem diesjährigen Verbreitungsversuch der menschenverachtenden Ideologie haben sich in Bad Nenndorf nun auch einige hundert junge Aktivisten entgegengestellt, indem sie zwei Stunden lang die Weiterfahrt des Zugs verhinderten.

Und was hat die Deutsche Bahn im Jahr 2015 zu diesen Vorgängen zu sagen?

Nicht der Entrüstung über das Vorgehen der Neonazis wird Ausdruck verliehen, nein, die Deutsche Bahn sagt: Wir planen diese Protestler auf Schadenersatz zu verklagen, sollten wir ihrer Daten habhaft werden.

Im 21. Jahrhundert und vor dem Hintergrund, dass Historiker sich darüber einig sind, das ohne die Reichs-Bahn der Holocaust nicht möglich gewesen wäre[9], bin ich über diese Forderung als solche fassungslos vor Wut und Enttäuschung.

Wut darüber, dass es heute offenbar wichtiger zu sein scheint, dass der Bahnverkehr reibungslos vonstatten geht, als das sich Demokraten gegen eine Ideologie zur Wehr zu setzen, die im Zweiten Weltkrieg Millionen von Menschen auf grausamste Weise das Leben gekostet hat. Sind wir schon wieder so weit, dass die störungsfreie Alltäglichkeit bedeutender ist, als der Widerspruch gegenüber einer menschenverachtenden Ideologie? Wohlgemerkt: Einer Ideologie, die auch heute für viele Menschen zur Gefahr für Leib und Leben wird.

Enttäuscht bin ich darüber, dass es ausgerechnet der Deutschen Bahn offenbar nicht bewusst ist, welche Brisanz eine solche Forderung in diesem Zusammenhang enthält.

Sehr geehrter Herr Dr. Grube, ich bin vielleicht nur ein ganz unbedeutender Mensch, aber dennoch möchte ich von Ihnen persönlich als Chef der Deutschen Bahn erfahren, wie Sie - in Zeiten zunehmender Hetze gegenüber Flüchtlingen[10] ? zu diesen Forderungen Ihres Unternehmens stehen.

Freundliche Grüße,
Birgit Kramp

Mitglied des Bündnisses Bad Nenndorf ist bunt

P.S.: Wenn ich meinen Namen jetzt unter diesen Brief setze, dann weiß ich damit, dass ich mich und meine Familie wieder einmal mehr der Gefahr rechtsextremer Übergriffe aussetze, denn meine klare Position wird den Rechtsextremen ? wie immer ? nicht gefallen.



Verweise:

[1] Quelle: Radio Flora, Wunsch eines Naziredners in Bad Nenndorf am 1.8.2015: Eines Tages "wird es Menschen geben, die sagen: Aber der Holocaust ist mir persönlich scheißegal.?

[2] Blick nach Rechts zu Sven Skoda

[3] Aktionsbüro Mittelrhein - Verfahren gegen führende Mitglieder (Ihnen wird vorgeworfen eine Revolution und die Errichtung eines Staates nach nationalsozialistischem Vorbild angestrebt zu haben.)

[4] Militante Neonazi-Szene: Das andere Dortmund, Vor einem Jahr stürmten Mitglieder der Partei ?Die Rechte? das Dortmunder Rathaus. Seither nehmen die Provokationen kein Ende.

[5] Gegen Multi-Kulti: Die "Identitäre Bewegung"

[6] Der III. Weg: Dokumentation Report Mainz: Video: Wie "Der III. Weg" die Stimmung gegen Flüchtlinge anheizt; 04.08.15 | 06:34 Min.

[7] Oswald Pohl

[8] Wissenschaftliche Aufarbeitung: Das verbotene Dorf

[9] Akte D: Das Kriegserbe der Bahn

[10] Asylbewerber: Verfassungsschutz warnt vor Eskalation rechter Gewalt


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Rechts gegen Rechts


Rechts gegen Rechts - Der unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands geht weiter!


"In diesem Jahr kommt zu den verschiedenen Protestaktionen der unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands hinzu: Rechts gegen Rechts. Nach Wunsiedel heißt es nun auch in Bad Nenndorf: ?Marschieren und spendieren?. Für die passende Atmosphäre werden Plakate, Banner und Bodenmarkierungen an der Demonstrationsstrecke angebracht, die die Route durch motivierende Sprüche und typische Wettlaufelemente, wie Start- und Ziel-Linien, optisch in eine sportliche Spendenveranstaltung verwandeln. Sprüche wie ?National und freigiebig!? oder ?Endspurt statt Endsieg? werden die Demonstranten zum Laufen animieren ? denn das ist die eigentliche Idee:

Für jede Minute unerwünschter Aufenthaltszeit in Bad Nenndorf werden 10 Euro, von Bürger_innen und Unternehmen aus Bad Nenndorf, für die Entfernung von rechtsextremen Tattoos gespendet. Das bedeutet: pro 1 Minute = 10 Euro = 1 cm² Cover Up. Das sind bei ca. drei Stunden Laufzeit fast 2 m² rechtsextreme Tattoos, die gecovert werden können. Die Neonazis unterstützen dabei unfreiwillig das Projekt ex-it Tattooentfernung der Initiative EXIT-Deutschland. Das Projekt hat das Ziel, Personen, die aus der rechtsextremen Szene ausgestiegen sind, durch die Entfernung ihrer politischen Tätowierungen eine sichtbare Dimension ihres Ausstiegs zu ermöglichen, die in vielen Fällen auch dringend notwendig ist. Hierzu will EXIT ein bundesweites Netzwerk an Tattoo-Studios etablieren, an die die Betroffenen sich vertrauensvoll wenden können. Wenn sie die Aktion unterstützen wollen:

ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH

Commerzbank Berlin

Verwendungszweck: Spende exittattoo

SWIFT-BIC.: DRESDEFF100

IBAN: DE20 1008 0000 0906 4527 01


?Rechts gegen Rechts? ist eine Initiative des ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH und wird in Bad Nenndorf unterstützt von: Bad Nenndorf ist bunt - Bündnis gegen Rechtsextremismus e.V.

Fabian Wichmann, ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH, fabian.wichmann[at]zentrum-demokratische­-kultur.de | Tel: 0177 2404806

Jürgen Uebel, Bad Nenndorf ist bunt, info[at]bad-nenndorf-ist-bunt.com | www.bad-nenndorf-ist-bunt.com


Vielen Dank an die Sponsoren: Katholischen Kirchengemeinden im Dekanat Weserbergland | evangelische und katholische Gefängnisseelsorge der JVA Hannover | ev. - luth. St. Godehardi-Kirchengemeinde Bad Nenndorf| Bündnis 90 / Die Grünen (Lauenau)|Sonnen - Apotheke Lauenau | Jüdische Gemeinde Bad Nenndorf|Jusos Schaumburg | Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus | Bad Nenndorf ist bunt e.V. | Kur-Apotheke Bad Nenndorf | Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus | Radio Flora Hannover | Barsinghausen ist bunt | SPD Bad Nenndorf | VfL Bad Nenndorf | Europaschule Gymnasium Bad Nenndorf | sowie den Bürgerinnen und Bürgern aus Bad Nenndorf und Umgebung."



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