Bündnis gegen Rechtsextremismus e.V.

Presse

Presseerklärung des Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt e.V. " zu den Aktionen am 3. und 4.8. 2012

Bad Nenndorf bleibt bunt ? Basta !

Am 4.8.2012 haben die nationalsozialistischen Erpresser um das sogenannte ?Gedenkbündnis Bad Nenndorf? eine schwere politische Niederlage erlitten. Durch die gewaltfreien Aktionen unterschiedlicher antifaschistischer Menschen und Gruppen wurde die Anreise der Nazis massiv behindert , und auf der Bahnhofstrasse in Bad Nenndorf wurde ihnen unmissverständlich klar gemacht, daß sie höchst unwillkommen sind. Ihr ?Marsch der Ehre? geriet so zu einem wirklichen Trauerspiel .

Bereits am Freitag , 3.8. hatten zahlreiche helfende Hände die Bahnhofstrasse und den Bahnhofsvorplatz in ein Kunstobjekt verwandelt . Bunt statt braun ! war die allgegenwärtige Botschaft. Etwa 450 Nazigegner bildeten gegen 18.30 Uhr eine Menschenkette vom Wincklerbad zum Bahnhof, um damit zu zeigen: Die Straße gehört den Einwohnern von Bad Nenndorf, und nicht dem aufdringlichen braunen Wanderzirkus. Wenig später ketteten sich 4 junge Leute vor dem Wincklerbad an einer Pyramide an, die bis zum Samstagabend nicht entfernt wurde. Dadurch wurde der Spielraum der Nazis während ihrer dortigen Versammlung am 4.8. erheblich eingeschränkt.

Am Samstag, 4.8. nahmen über 400 Menschen am Ökumenischen Gottesdienst im Kurpark teil , an der Demonstration und Kundgebung des Bündnis ?Bad Nenndorf ist bunt? beteiligten sich etwa 900 Personen. Während Rednerinnen und Redner aus lokaler , regionaler und Bundes-Politik die Bedeutung des Widerstandes sowohl gegen derartige nazistische Großveranstaltungen als auch gegen den alltäglichen Rechtsradikalismus betonten, führten eine spontane Sitzblockade und die Aneinanderkettung von 8 jungen Antifaschisten auf dem Nenndorfer Bahnsteig zu einer mehrstündigen Zugverspätung. Die von weither anreisenden Faschisten sahen sich gezwungen, den Weg vom Umsteigebahnhof Haste zu ihrem Ziel Bad Nenndorf zu Fuß zurückzulegen, da Fahrer des Schienenersatzverkehrs sich weigerten, die braune Fracht zu befördern.
Als der ?Trauermarsch? sich gegen 16.30 Uhr vom Bahnhofsvorplatz aus in Bewegung setzte, durften 465 schlecht gelaunte Nazis sich auf ein Spektakel besonderer Art freuen: bei 8 privaten Parties an der Bahnhofstrasse feierten mehr als 600 Nenndorfer und ihre Gäste von nah und fern ausgelassen , fröhlich, laut und bunt. ?Diese Stadt gehört uns, und wir feiern, wann wir wollen!? war die klare Ansage , die ihre Wirkung nicht verfehlte.
Zum völligen Desaster geriet die Kundgebung vor dem Wincklerbad, das nach dem Willen der Nazis zum ?Foltermuseum? umgebaut werden soll : permanente Aussetzer der Tonanlage und die beeindruckende Geräuschkulisse der umstehenden Partygäste führten dazu, dass rechtskräftig verurteilte Nazigrößen wie Rigolf Hennig und Ursula Haverbeck-Wetzel ihre faschistische Hetze noch nicht einmal ihren eigenen Gefolgsleuten zu Gehör bringen konnten. Unverrichteter Dinge und mit hängenden Köpfen zogen die ?letzten anständigen Deutschen? nach kurzer Zeit wieder Richtung Bahnhof ab. Die von den Nazis für 18.30 Uhr in Hannover angemeldete Kundgebung wurde dann auch gleich abgesagt, ?aus Zeitmangel?.

Die Zahl der teilnehmenden ?Volksgenossen? hat nun im zweiten Jahr in Folge deutlich abgenommen, auch ohne ?Konkurrenzveranstaltung? wie in 2011. Die Streitereien im braunen Lager um die eigenen Fehler, aber auch um das Gesamtkonzept ?Trauermarsch/Marsch der Ehre? sind heftig und nicht zu übersehen. Etliche Teilnehmer hielten sich nicht an die Vorgaben der Organisatoren, es wurde mehrfach der ?Hitlergruß? gezeigt und eindeutig nationalsozialistische und antisemitische Aussagen zur Schau getragen.Das Ganze wirkte wie das letzte Aufgebot an
schlecht bezahlten Nazi - Söldnern, die man hunderte Kilometer durch ganz Deutschland karrt, um sie dann ins offene Messer laufen zu lassen.
Selbst eine Woche nach der Veranstaltung gab es weder Fotos noch einen Bericht zu der misslungenen Propagandafeier auf der Homepage der Veranstalter zu sehen. Gut möglich, dass
es im ?verflixten 7. Jahr? der ?Trauermärsche? den entscheidenden Bruch auf Seiten der Ewiggestrigen gegeben hat. Ihr Erpressungsversuch (?Wir kommen so lange wieder, bis ihr tut, was wir wollen!?) ist zum Scheitern verurteilt !

Das Bündnis ?Bad Nenndorf ist bunt? bedankt sich bei allen Menschen, die mit unterschiedlichen, gewaltfreien und kreativen Mitteln (auch schon im Vorfeld) dazu beigetragen haben, dass die Nazis an diesem Wochenende echten Grund zum ?Trauern? hatten. Alles hat sich ergänzt, und in der Summe waren wir erfolgreich.

Außer einigen Beschädigungen und Diebstählen durch Nazis am Kunstprojekt ?Urban Knitting? im Bereich Bahnhofsvorplatz (die zur Anzeige gebracht wurden), haben unseres Wissens nach weder Menschen noch Sachen irgendeinen Schaden genommen.
Daran hatte unserer Auffassung nach auch das ganz überwiegend besonnene und umsichtige Verhalten der Polizeibeamten einen großen Anteil - dafür ein klares Danke!

Kritisch zu betrachten ist der Versuch des Landkreises Schaumburg, auf Grundlage der Neufassung des niedersächsischen Versammlungsgesetzes die Versammlungsfreiheit einzuschränken : Technische Auflagen zur Beschallung erzwangen den Wechsel unserer Tonanlage und erzeugten erhebliche Mehrkosten. Auch der Einsatz von sogenannten ?Drohnen? über Bad Nenndorf stößt auf unsere Kritik: hier werden massenhaft Daten und Bilder gesammelt, deren Verwendung durch Polizei oder Verfassungsschutz/Staatsschutz kaum kontrollierbar ist.

Der 4.8. 2012 war dank sehr vieler engagierter und verantwortungsvoller Menschen ein guter Tag für die Demokratie. Wir bleiben am Ball ! Und Bad Nenndorf bleibt bunt - Basta !


Bad Nenndorf, 15.8.12

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Bad Nenndorf 2012 - Ein guter Tag


Bad Nenndorf ist bunt sagt Dankeschön! an alle Akteure, die friedlich und kreativ dafür gesorgt haben, dass die Nazis gestern in Bad Nenndorf echten Grund zum "Trauern" hatten.


Danke an die vielen Gegendemonstranten, die bunt und friedlich ein deutliches Zeichen gesetzt haben,

danke an die Rednerinnen und Redner auf unseren Kundgebungen,

danke an Radio flora für die Live-Sendung,

danke an die mutigen Akteure vor dem Winklerbad und auf dem Bahnsteig, die für große Verzögerungen des Naziaufmarsches gesorgt haben,

besonderer Dank in diesem Zusammenhang an den / die mutigen Busfahrer, die sich in Haste geweigert haben, die Nazis zu transportieren,

danke an alle Politikerinnen und Politiker aus Lokal-, Landes- und Bundespolitik, die sich in Bad Nenndorf deutlich für ein Engagement gegen Rechtsextremismus ausgesprochen haben,

danke an alle Journalistinnen und Journalisten (die Anregung ?Presse-Launch? ist aufgenommen)

und last but not least:

ein großes Dankeschön! an alle Polizeikräfte, die zweifelsohne durch ihr umsichtiges Handeln ebenfalls einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet haben, dass der Tag in Bad Nenndorf ruhig verlaufen ist.

Danke auch an Alle, die ich jetzt unabsichtlich vielleicht vergessen habe zu erwähnen.




Vielen Dank an bussfoerare!
(Denn ohne deine tollen Videos wären meine Beträge recht farblos... &#59;) )



Eines hat sich gestern in Bad Nenndorf sehr deutlich gezeigt:

Bunte Vielfalt schlägt braune Einfalt!

Ein guter Tag für die Demokratie. Der Anfang ist gemacht, jetzt gilt es kontinuierlich am Ball zu bleiben. Friedlich, bunt und jedes Jahr ein wenig kreativer...




Vielen Dank an radioflora!



Weitere Infos

hiergeblieben.de: Tages-Chronologie von Sonntag, 5. August 2012




Bad Nenndorf ist bunt
Birgit Kramp

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Danke für die Unterstützung


Der Schreck ist überwunden und heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei allen Menschen zu bedanken, die mir und meiner Familie in den letzten Tagen durch viel Zuspruch Mut gemacht haben!

Danken möchte ich auch den Vertreterinnen und Vertretern der Presse, denn es ist wohl auch ihrer Arbeit geschuldet, dass die anfängliche ?Sachbeschädigung? deutlich mehr Gewicht bekommen hat.

Seit Dienstagabend hat die Polizeipräsenz vor unserem Haus deutlich zugenommen, so dass wir nicht mit einem weiteren Übergriff rechnen. Sollten die Nazis dennoch weiter agieren, so riskieren sie meiner Ansicht nach vermutlich nicht nur eine Festnahme, sondern möglicherweise auch ihren geplanten ?Trauermarsch?.

Viele Menschen haben mich in den letzten Tagen gefragt, ob ich mein Engagement trotzdem weiter fortsetzen werde. Diese Frage kann ich nur mit einem klaren Ja! beantworten. Ich möchte mich nicht einschüchtern lassen. Jetzt erst Recht nicht! Aber ich habe auch das große Glück sehr viel Unterstützung durch die anderen Akteure im Bündnis zu erfahren.
Sicher war der Schreck erst groß, aber wenn ich an die Opfer rechter Gewalt denke, die schwer verletzt wurden, oder an die Angehörigen, die ihre Lieben durch rechtsextreme Gewalt verloren haben, dann schäme ich irgendwie ein wenig, dass ich so viel Aufmerksamkeit erhalte, während die Polizei diesen Menschen in der Vergangenheit nicht immer Gehör geschweige denn Glauben schenke wollte. Auch für diese Menschen ist es sicher wichtig, dass rechtsextremes Gedankengut mit friedlichen Mitteln bekämpft wird, wo immer es sich zeigt!

Außerdem halte ich die Demokratie aus tiefster Überzeugung für die beste Herrschaftsform. Sie ist vielleicht die am Schwierigsten zu erlernende Form, aber das bedeutet nicht, dass sie deshalb falsch wäre. Sie gibt den Menschen aus meiner Sicht die ehrlichsten Möglichkeiten ein selbstbestimmtes Leben zu führen und die eigenen Potentiale zu entfalten.

Diktatur könnte wahrscheinlich Jeder, der sich ausreichend zu radikalisieren vermag. Denn hierbei bedarf es keiner Begabungen wie Einfühlungsvermögen, Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft.

Demokratie ist in dieser Hinsicht anspruchsvoller. Den Menschen ihre Willens-, Wahl- und Meinungsfreiheit zu lassen und sie dennoch bei wichtigen Entscheidungen emotional hinter sich versammeln zu können, dazu muss ein Mensch schon sehr gefestigt und authentisch sein. Das ist wie gesagt sicher nicht einfach, aber ich empfinde es trotzdem als das Richtige. Denn ich möchte mir nicht vom Staat vorschreiben lassen, was ich über andere Menschen zu denken oder wie ich über sie zu urteilen habe. Das ist etwas, dass ich lieber selber für mich herausfinden möchte. Und aufgrund meiner bisherigen Lebenserfahrungen glaube fest daran, dass Menschen unterschiedlichster Kulturen, Religionen, Hautfarben und Mentalitäten friedlich und respektvoll miteinander leben können. Dafür stehe ich heute ein und werde dies auch in Zukunft tun.

Deshalb möchte ich alle Leserinnen und Leser dazu aufrufen, gemeinsam mit uns friedlich am 03. und 04. August in Bad Nenndorf Gesicht zu zeigen!



Bad Nenndorf ist bunt
2. Vorsitzende

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