Bündnis gegen Rechtsextremismus e.V.

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Urban Knitting 2014



Was ist Urban Knitting und wie wird das eigentlich ausgesprochen?

Urban Knitting ist eine Form der Straßenkunst. Hierbei werden Gegenstände im öffentlichen Raum durch Stricken ? und in unserer Erweiterung durch Häkeln und Basteln ? verändert. Diese Kunstform kann der Verschönerung dienen, sie kann aber auch eine symbolische Bedeutung haben.

Bad Nenndorf ist bunt 2012
© 2012 Bad Nenndorf ist bunt

Ursprung

?Die erste Vereinigung von Strickern nennt sich Knitta Please. Sie nimmt ihren Anfang 2005 in Houston (Texas), als Strickerinnen beginnen, Türklinken mit gestrickten Accessoires zu verschönern, anstatt Socken, Handschuhe oder Pullover zu stricken. Das gestrickte Graffito ist heute überwiegend in Amerika, England und Spanien bekannt. Über das Internet ist die Szene gut durch einen Teil der Blogosphäre vernetzt.?
Quelle: Wikipedia - Guerilla Knitting

Link zur Aussprache: Urban Knitting

Wie sind wir auf diese Idee gekommen?

Eine Szene am Infotisch zur Mobilisierung für die Gegendemonstration

Ein Ehepaar aus der Generation, die als Kinder das NS-Regime und den Krieg miterleben mussten, trat an meinen Tisch. Sie betrachten interessiert das Informationsmaterial. Der Blick der Dame fiel auf eine kleine Broschüre, die über Nazisymbole aufklärt, und blieb wie gebannt daran hängen. Ich hatte bemerkt, wie sie leicht zusammengezuckt war und mit Erinnerungen zu kämpfen schien. Unbewusst war sie einen Schritt zurückgetreten, als wollte sie größeren Abstand zwischen sich und die Symbole auf der Broschüre bringen. Nachdem sie sich wieder etwas gefasst hatte, schaute sie mich an und sagte: ?Ich kann das nicht anfassen, weil es mich viel zu sehr aufregt.? Ich nickte stumm. Reden konnte ich in diesem Moment nicht, denn die spontane Reaktion hatte mich sehr berührt.

?Wissen Sie?, fuhr sie unvermittelt fort, ?Wir würden ja auch gern etwas gegen diese jungen Nazis tun, aber ich kann mich einfach nicht dazu überwinden. Schauen Sie wie meine Hände zittern, wenn ich nur daran denke.? Sie streckte mir ihre Hand entgegen, obgleich das nicht nötig gewesen wäre, denn ich hatte es längt bemerkt. ?Aber irgendetwas muss ich doch tun können, wenn die über unsere Straßen laufen?, sagte sie und schaute mich fragend an. Ihr Mann hatte inzwischen ihren Arm genommen und sie begann, sich etwas zu beruhigen.

?Es muss ja nicht jeder Mensch an der Gegendemonstration teilnehmen?, lenkte ich ein. ?Vielleicht machen Sie mit ihrem Mann irgendetwas von Zuhause aus. Sie könnten zum Beispiel ihre Fenster bunt schmücken, das ärgert die Neonazis schon, auch wenn sie das nie zugeben würden. Oder Sie sprechen sich mit ihren Nachbarn ab und wenn die keine Einwände haben, dann könnten Sie zum Beispiel während des Aufmarsches laute Musik spielen?, schlug ich vor und fügte ich an: ?Vielleicht tanzen Sie dazu mit Ihrem Mann.?
Sie lächelte. ?Laute Musik wäre möglich, dagegen hätten die Nachbarn sicher nichts?, überlegte sie und blickte bei diesen Worten ihren Mann an. Der nickte zustimmend und sie schien daraufhin erleichtert. Dann sah sie mich fragend an und bemerkte fast verlegen:
?Aber meinen Sie denn, die Nazis würden die Musik bis hierher hören??
Ich stutzte.
?Wir wohnen nämlich in Reinsdorf?, fügte sie schnell hinzu.
Nun wurde ich verlegen. Hatte ich doch angenommen, dieses liebenswerte Ehepaar wäre aus Bad Nenndorf und würde mit hoher Wahrscheinlichkeit entlang der Aufmarschstrecke wohnen. Beschämt bestätigte ich ihr, dass die Nazis nun wohl nichts von ihren Bemühungen mitbekommen würden. Sie wollte trotzdem laute Musik spielen und vielleicht auch tanzen, verriet sie mir, denn irgendetwas musste sie einfach dagegen unternehmen...


Ich habe nach dieser Begegnung noch einige Gespräche dieser Art geführt. Die Menschen wollten etwas tun, aber aufgrund von eigenen Kindheitserfahrungen mit den Nazis im Dritten Reich, oder aus anderen Gründen, konnten sie sich noch nicht dazu überwinden, am Tag des sog. Trauermarsches aktiv zu demonstrieren. Diese Erlebnisse haben mich zunehmend darin bestärkt, dass wir auch diesen Menschen eine Möglichkeit anbieten sollten, an den Protesten teilzuhaben. Also war ich auf der Suche nach einer Tätigkeit, die Spaß macht und an der sich möglichst viele Menschen beteiligen können. Auf den Punkt gebracht hat es dann ein Bild der Sendung Galileo Big Pictures. In einem Bericht wurde die Geschichte eines eingestrickten Busses aus Mexiko vorgestellt, und in diesem Moment war die Idee geboren:

Urban Knitting könnte Bad Nenndorf in ein buntes Farbenmeer verwandeln!

Durch das Engagement vieler Menschen, angefangen bei Schülern, Lehrern und Eltern bis hin zu den Großeltern, wurde aus der anfänglich noch unscheinbaren Idee eines der wundervollsten Projekte, die ich je begleiten durfte. Vera Winkler hat als engagierte Projektleiterin den Gedanken so ansteckend in die Gesellschaft von Bad Nenndorf getragen, dass sich im vergangenen Jahr etwa 2.000 Menschen an der Aktion beteiligten.

Ihnen allen und ganz besonders Vera gebührt große Anerkennung für dieses eindrucksvolle Zeichen gegen Rechtsextremismus!


Unser Stricken, Häkeln und Basteln geht auch 2014 weiter!

Wir veranstalten bis zum Sommer regelmäßige Strick-, Häkel- und Bastel-Nachmittage. Wir treffen uns jeden Freitag, von 16:00 - 18:00 Uhr in der Geschäftsstelle des VfL Bad Nenndorf (Bahnhofstraße 67). Erstes Treffen ist am Freitag, den 25. April 2014. Hier können auch fertige Stücke abgegeben werden.
(Neonazis, Mitglieder rechtsradikaler Organisationen und deren Anhänger haben zu dieser Veranstaltung keinen Zutritt!)

Noch Fragen?

Fragen beantworten gern:

Vera Winkler, Tel. 05723/2433 und

Birgit Kramp, Tel. 0151-23 722 839


Wir freuen uns auch in diesem Jahr auf Sie / Euch um

am 01. August ab 14:00 Uhr,

gemeinsam die Bahnhofstraße zu Schmücken und den Neonazis damit zu zeigen:



Bad Nenndorf ist Ort der Vielfalt, deshalb hat rechtsextremes Gedankengut bei uns keinen Platz!


Bad Nenndorf ist bunt ? Bündnis gegen Rechtsextremismus e. V.
Birgit Kramp, 2. Vorsitzende

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